1. Navigation
  2. Inhalt
  3. Herausgeber
Inhalt

Statistische Daten zu Ver- und Überschuldung

Woher kommen die Daten zur Ver- und Überschuldung?

Statistische Daten zur Überschuldung von Personen und Haushalten werden auf verschiedenen Wegen und von verschiedenen Institutionen und Einrichtungen erhoben und veröffentlicht. So fasst zum Beispiel das Statistische Bundesamt die von Menschen in den Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatungsstellen der Länder freiwillig zur Verfügung gestellten anonymisierten Daten zusammen und veröffentlicht die Informationen in jährlichen Berichten. Erfasst werden hierfür zum Beispiel: das Alter der Überschuldeten, ihr Familienstand, Ursachen bzw. Auslöser für ihre Überschuldung, Art und Höhe der Schulden, Anzahl der Gläubiger. Grundlage für diese Erhebung ist das Bundesstatistikgesetz (Paragraf 7 Absatz 1). Im Jahr 2012 beteiligten sich bundesweit 238 Beratungsstellen freiwillig an der Erhebung. Die erste Erhebung dieser Art erfolgte 2006.

Die Ergebnisse dieser Überschuldungsstatistik lassen keine Aussage über die Gesamtzahl überschuldeter Personen in Deutschland zu. Dies liegt zum einen an den unterschiedlichen Beteiligungsquoten der Beratungsstellen in den Ländern. Zum anderen aber auch daran, dass nicht alle Menschen mit finanziellen Problemen Hilfe in Schuldnerberatungsstellen suchen. Zu berücksichtigen ist ferner, dass nicht alle Hilfesuchenden tatsächlich überschuldet sind. Denn für viele sind bereits finanzielle Engpässe Grund genug, eine Beratungsstelle aufzusuchen. Nicht von der Bundesstatistik erfasst werden beispielsweise Sozialämter, Rechtsanwälte oder Steuer- und Wirtschaftsberater, die auch Beratungen durchführen und Bescheinigungen für außergerichtliche Einigungsversuche ausstellen und danach das Verbraucherinsolvenzverfahren begleiten können.

Ergänzend zu den Daten der Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen veröffentlicht das Statistische Bundesamt die Zahl der von den Gerichten gemeldeten Verfahren zur Verbraucherinsolvenz. Diese Meldungen enthalten keine Angaben über die Zusammensetzung des Personenkreises, die Gründe für die eingetretene Überschuldungssituation oder zur Art der Schulden. Im Jahr 2014 wurden von den Amtsgerichten insgesamt 86.298 beantragte Verbraucherinsolvenzverfahren gemeldet; die Zahl der tatsächlich eröffneten Verfahren lag 2014 bei 84.443, wovon 3.827 Verfahren auf den Freistaat Sachsen entfielen.

Andere Institutionen, wie die SCHUFA Holding AG (Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung) oder »Creditreform«, erhalten die Informationen über die Überschuldung von Personen und Haushalten auf anderen Wegen. Die SCHUFA erfasst als privatwirtschaftlich organisierte deutsche Wirtschaftsauskunftei der kreditvergebenden Finanzinstitute die Angaben und Daten zur Kreditwürdigkeit von Personen und stellt sie auch Bürgerinnen und Bürgern auf Verlangen zur Verfügung. Die SCHUFA ist derzeit in Besitz von fast 500 Millionen Einzeldaten von rund 60 Millionen Personen und hat damit rund 75 Prozent der deutschen Bürgerinnen und Bürger erfasst. Sie bearbeitet jährlich mehr als 103 Millionen Anfragen zur Kreditwürdigkeit, darunter sind 1,5 Millionen sogenannte Selbstauskünfte von Bürgerinnen und Bürgern.

Die Creditreform Unternehmensgruppe agiert unter anderem als Wirtschaftsauskunftei und Inkassodienstleister. Sie veröffentlicht jährlich den »Schuldner Atlas«. Datenbasis hierfür sind Einträge über Personen aus dem Schuldnerverzeichnis der Amtsgerichte sowie der Insolvenzgerichte und persönliche Daten der Personen, wie Anschriften, unstrittige Inkasso-Fälle von Creditreform gegenüber Privatpersonen sowie Informationen zu ihrem bisherigen Zahlungsverhalten. Das Unternehmen Creditreform berechnet aus diesen negativen Einträgen sogenannte »Scores«, die einen Zahlenwert für die Kreditwürdigkeit einer Person angeben. Mithilfe der so errechneten »Schuldnerquote« - das ist der Anteil der Personen mit Negativmerkmalen im Verhältnis zu allen Personen über 18 Jahren - werden die Überschuldung in ihrer geografischen Verteilung dargestellt, das Verschuldungsrisiko von Verbraucherinnen und Verbrauchern berechnet und weitere Untersuchungen durchgeführt.

Daten im Freistaat Sachsen

Abseits der von den sächsischen Amtsgerichten gemeldeten Verbraucherinsolvenzverfahren an das Statistische Bundesamt liegen dem Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz Daten von den Verbraucherinsolvenz-Beratungsstellen vor, die vom Freistaat gefördert werden. Die Daten betreffen folgende Merkmale: Alter des Hilfesuchenden, Geschlecht, Bildungsabschluss, Erwerbsstatus, Familienstand, Anzahl seiner unterhaltspflichtigen Personen, Anzahl seiner Gläubiger, Höhe seiner Gesamtforderungen und das Ergebnis des außergerichtlichen Einigungsversuches.

Im Jahr 2011 förderte das Sächsische Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz für die Beratung zur Verbraucherinsolvenz 29 Beratungseinheiten. Die Zahl beratener Schuldner variierte in diesem Jahr zwischen 99 und 159 Personen pro Beratungseinheit. Im Zeitraum von 2011 bis 2013 stieg die Anzahl der von den Insolvenzberatungsstellen bearbeiteten Fälle um 9 Prozent, wobei von 2012 zu 2013 nur ein Anstieg von einem Prozent stattfand. 9,5 Prozent der außergerichtlichen Einigungsversuche waren 2013 erfolgreich, das heißt eine private Insolvenz wurde in diesen Fällen vermieden.

Die Zahl der Gläubiger lag 2013 im Durchschnitt bei knapp 12; allerdings reichte die Spannweite von einem bis zu 124 Gläubigern pro Schuldner. Die Höhe der Gesamtforderungen belief sich 2013 auf insgesamt rund 127 Millionen Euro, was einer durchschnittlichen Summe an Gläubigerforderungen von 34.900 Euro entspricht.

Das Durchschnittsalter derjenigen, die eine Stelle der Verbraucherinsolvenzberatung aufsuchten, lag 2013 bei 41,7 Jahren. Zudem suchten mehr Männer als Frauen in diesem Jahr diese Beratungsstellen auf (51,8 versus 48,2 Prozent). In den Jahren 2011 bis 2013 zählten jeweils knapp 30 Prozent derjenigen, die eine Insolvenzberatungsstelle aufsuchten, zur Gruppe der 25 bis 34-Jährigen. Fast ein Viertel der beratenen Personen zählte in den genannten Jahren jeweils zur Gruppe der 35 bis 44-Jährigen und der 45 bis 54-Jährigen.

Marginalspalte

© Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz