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Art und Abschluss von Verbraucherkrediten

Grundsätzlich können Bankkredite an private Haushalte nach verschiedenen Gesichtspunkten eingeteilt werden, so zum Beispiel nach der Fristigkeit, Bereitstellungsform, Sicherungsform oder Abwicklungsform. So werden unterschieden

  • nach der Fristigkeit kurzfristige Kredite (bis zu einem Jahr), mittelfristige (ein bis vier Jahre) und langfristige Kredite (über vier Jahre),
  • nach der Art der Bereitstellung Darlehen (Ratenkredite), Kontokorrentkredite (Dispositionskredite) oder Rahmenkredite,
  • nach der Art der Rückzahlung zwischen Endfälligen Darlehen (während der Laufzeit werden nur die Zinsen und am Ende der Laufzeit wird der gesamte Betrag zurück gezahlt), Tilgungsdarlehen als Zahlungsprinzip bei Ratendarlehen (Zahlung einer Rate, die aus einem konstanten Tilgungsanteil und einem jährlich sinkenden Zinsanteil besteht) und Annuitätsdarlehen (die zu zahlende konstante Rate besteht aus Zins- und einem Tilgungsanteil. Da sich bei Annuitätsdarlehen die Zinsen auf die Restverbindlichkeit beziehen und diese mit jeder Zahlung sinken, steigt der Tilgungsanteil und am Ende der Laufzeit ist das Darlehen getilgt).

In der Regel wenden sich die Kreditinstitute vor Kreditvergabe an die Schufa, die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung, und führen eine sogenannte Bonitätsprüfung durch. Die Schufa ist eine privatwirtschaftlich organisierte deutsche Wirtschaftsauskunftei der kreditvergebenden Finanzinstitute, die die Angaben und Daten zur Kreditwürdigkeit von Personen erfassen und diese anfragenden Kreditinstituten und auch Privatpersonen zur Verfügung stellen. Bei Aufnahme eines Verbraucherkredites müssen Verbraucherinnen und Verbraucher gegenüber dem Kreditinstitut erklären, dass dieses eine Bonitätsprüfung durchführen und zu diesem Zweck eine Schufa-Anfrage stellen kann. Sie müssen weiterhin ihr Einverständnis dazu erklären, dass das Kreditinstitut der Schufa auch Daten mitteilen kann über die Beantragung, Aufnahme (Name des Kreditnehmers oder der Kreditnehmerin, Mitschuldner, Kreditsumme, Ratenbeginn, Laufzeit) und vereinbarungsgemäße Abwicklung (zum Beispiel vorzeitige Rückzahlung, Laufzeitverlängerung) sowie Daten über nicht-vertragsgemäße Abwicklung (zum Beispiel Kündigung des Kredits, Inanspruchnahme einer vertraglich vereinbarten Lohnabtretung, Zwangsvollstreckungsmaßnahmen).

Die seit dem 11. Juni 2010 gültige Verbraucherkreditrichtlinie hat für Verbraucherinnen und Verbraucher eine Reihe von Vorteilen gebracht:

  • Die Kreditinstitute müssen die Verbraucherinnen und Verbraucher schon vor dem Abschluss eines Darlehens- beziehungsweise Kreditvertrages über die wesentlichen Bestandteile des Kredits informieren. Dazu zählen:
    • Name und Anschrift des Kreditinstituts und Art des Darlehens,
    • effektiver Jahreszins, Nettodarlehensbetrag, Sollzinssatz,
    • Vertragslaufzeit,
    • Betrag, Zahl und Fälligkeit der einzelnen Raten,
    • der Gesamtbetrag, das ist die Summe aus Nettodarlehensvertrag und Kosten für den Kredit,
    • Auszahlungsbedingungen,
    • alle sonstigen Kosten,
    • das Widerrufsrecht der Kreditnehmerin und des Kreditnehmers sowie die Möglichkeit der vorzeitigen Rückzahlung des Darlehens.
  • Genaue Vorschriften gibt es nun auch für die Informationen, die im endgültigen Vertrag stehen müssen. Ergänzend zu den oben aufgeführten Punkten müssen enthalten sein:
    • Name und Anschrift des Darlehensnehmers oder der Darlehensnehmerin,
    • die für das Kreditinstitut zuständige Aufsichtsbehörde,
    • Hinweis auf den Anspruch des Darlehensnehmers/der Darlehensnehmerin auf einen Tilgungsplan und
    • Angaben zum Verfahren bei einer Kündigung des Kreditvertrages.
  • Die Möglichkeiten zur irreführenden Werbung der Kreditinstitute wurde weitgehend eingeschränkt. Die Kreditinstitute dürfen nur noch mit einem effektiven Jahreszins werben, von dem sie erwarten dürfen, dass sie mindestens zwei Drittel der auf Grund der Werbung zustande kommenden Verträge zu dem angegebenen oder einem günstigeren Zins abschließen.
  • Darüber hinaus wurden veränderte Kündigungsfristen eingeführt. So kann das Kreditinstitut, wenn für den Darlehensvertrag eine bestimmte Vertragslaufzeit vereinbart wurde, den Vertrag nicht regulär vor Vertragsablauf kündigen. Wurde hingegen keine Vertragslaufzeit vereinbart, ist ein vertraglich vereinbartes Kündigungsrecht für das Kreditinstitut unwirksam, wenn die vereinbarte Frist nicht wenigstens zwei Monate beträgt. Verträge ohne eine vereinbarte Laufzeit können Verbraucherinnen und Verbraucher hingegen jederzeit kündigen und auch Kredite mit fester Vertragslaufzeit jederzeit ganz oder teilweise zurückzahlen. Bei Vereinbarung eines festen Zinssatzes kann das Kreditinstitut in solchen Fällen allerdings eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen.

Detaillierte Informationen zum Thema Verbraucherkredite enthält die Internetseite der Verbraucherzentrale Sachsen, so zum Beispiel zu einem Urteil des Bundesgerichtshofes, das die Erhebung von Kontoführungsgebühren für Darlehensverträge für unzulässig erklärt hat.

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Weiterführende Informationen

© Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz