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Ursachen von Ver- und Überschuldung

Überschuldung ist das Ergebnis vieler kritischer Lebensereignisse und -situationen. Zur Finanzierung kurz- und langlebiger Konsumgüter, die Ausstattung eines eigenen Haushaltes oder für die Geburt eines Kindes nehmen Verbraucherinnen und Verbraucher Kredite auf - oft in gutem Vertrauen auf ein regelmäßiges Einkommen.

Das ist unproblematisch, solange über das Einkommen hinaus genügend finanzieller Spielraum für die Rückzahlung von Krediten besteht und bei der Kreditaufnahme auch eventuell eintretende unvorhergesehene Zusatzausgaben oder ein Rückgang der Einnahmen einkalkuliert sind. Stellen Verbraucherinnen und Verbraucher solche Überlegungen vor Abschluss eines Kreditvertrages nicht an, können plötzlich eintretende kritische Lebensereignisse in die Überschuldung führen. Oft baut sich die individuelle Überschuldungssituation über Monate, manchmal Jahre auf, bis Hilfe in Anspruch genommen wird. Laut Statistischem Bundesamt ist Arbeitslosigkeit in mehr als einem Viertel der Fälle häufigster Auslöser einer Überschuldung. An zweiter Stelle stehen Trennung, Scheidung und Tod eines Partners, ferner in absteigender Reihenfolge Erkrankung, Sucht und Unfälle, unwirtschaftliche Haushaltführung sowie gescheiterte Selbstständigkeit. Für das Eintreten einer Überschuldungssituation gibt es in der Regel aber nicht nur einen einzigen Auslöser, sondern ein Gemisch aus vielfach ursächlich aufeinander aufbauenden oder auch gleichzeitig eintretenden Krisensituationen.

So kann eine Scheidung beispielsweise zu einer längerfristigen Erkrankung führen, diese wiederum zu gesundheitlichen Einschränkungen, die wiederum zur Arbeitslosigkeit führen können. Oder es treten gleichzeitig Erkrankung des einen Partners und Arbeitslosigkeit beim anderen Patner auf. Nicht selten müssen Verbraucherinnen und Verbraucher in solchen Situationen neue Kredite aufnehmen, um fällige Forderungen aus anderen Krediten umzuschulden, zum Beispiel für das kreditfinanzierte Haus. Solche und ähnliche Situationen führen in die Schuldenspirale, wenn sich die Einnahmesituation kurz- und mittelfristig nicht verbessert.

Weitere Auslöser für eine Überschuldung können darüber hinaus sein: Wissenslücken, der kaum erlernte Umgang mit »Geld« und »Konsumwünschen« oder Gutgläubigkeit. Zuweilen werden Bürgschaften und die Mithaftung bei der Aufnahme von Krediten für Verwandte, Ehe- oder Lebenspartner im Glauben übernommen, dass die Zahlungsverpflichtung nicht wirklich eintritt. Muss dann gezahlt werden, wird manchem erst bewusst, welche rechtlichen Verpflichtungen er oder sie eingegangen ist. Die Grundlagen für einen realistischen, maß- und planvollen Umgang mit dem Zahlungsmittel »Geld« werden in der Regel schon früh – im Elternhaus – gelegt. Gab es und gibt es hierfür kaum familiäre Vorbilder, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Jugendliche selbst in die Schuldenfalle geraten.

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© Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz