1. Navigation
  2. Inhalt
  3. Herausgeber
Inhalt

Ver- und Überschuldung von Jugendlichen

Das Unternehmen Creditreform veröffentlicht jährlich den »SchuldnerAtlas Deutschland«. Dabei wird auch das Thema »Junge Überschuldung« aufgegriffen.

2013 verzeichnete der SchuldenAtlas für Jugendliche und junge Erwachsene (in der Altersgruppe unter 30 Jahren) eine Fallzahl von 1,79 Millionen. Das Thema »Junge Überschulung« bleibt aktuell, zeigt aber einen rückläufigen Trend. So ist die Zahl junger Schuldner 2014 um rund 45.000 Fälle auf rund 1,75 Millionen Schuldner leicht zurückgegangen.

Kinder und Verschuldung

Kinder, die das siebente Lebensjahr noch nicht vollendet haben, können sich nicht selbst verschulden, da sie unter die gesetzliche Regelung des Paragrafen 104 Bürgerliches Gesetzbuch fallen und als geschäftsunfähig gelten. Kinder sind vor Schulden aus Verträgen zivilrechtlich umfassend und ausreichend geschützt.

Jugendliche und Verschuldung

Mit der Vollendung des siebenten Lebensjahres gelten die Minderjährigen als beschränkt geschäftsfähig (§ 106 BGB). Von diesem Zeitpunkt an können sie wirksame Willenserklärungen abgeben. Dabei ist jedoch bei nachteiligen Rechtsgeschäften die vorherige Einwilligung der Erziehungsberechtigten erforderlich. Bei Rechtsgeschäften, die einen rechtlichen Vorteil für Minderjährige beinhalten, reicht eine nachträgliche Genehmigung der Erziehungsberechtigten aus.

Viele Schuldnerberatungsstellen haben beobachtet, dass der Weg der Verschuldung bereits in der Schulzeit beginnen kann. Gemeint sind hier Schulden bei Freunden, Verwandten oder den Eltern.

Im weiteren Verlauf des Heranwachsens werden die Ursachen für Ver- und Überschuldung immer komplexer: negative Erfahrungen beim Umgang mit Geld im Haushalt, Vorbilder im nahen Umfeld mit einer schlechten Zahlungsmoral, Anfälligkeit für allgegenwärtige Werbung, Druck aus der Clique beim Konsum mitzuhalten. Dies sind nur einige Ansatzpunkte, um Ver- und Überschuldung bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu erklären.

Besonders hoch ist die Gefahr der Ver- und Überschuldung für die Jugendlichen, die von Zuhause ausziehen und auf eigenen Beinen stehen. Der Sprung von der elterlichen Versorgung in die eigene Verantwortung gelingt nicht jedem auf Anhieb.

Nun müssen die Jugendlichen selbst für ihren Lebensunterhalt aufkommen. Dies bringt jedoch auch einige Risiken mit sich. Das Hauptproblem ist, dass viele Jugendliche kaum in der Lage sind, ihre finanziellen Möglichkeiten realistisch einzuschätzen. So wird schnell ein Handy-Vertrag in Höhe von beispielsweise 90 Euro pro Monat, mit einer Laufzeit von 24 Monaten abgeschlossen, ohne vorher die Gesamtsumme und die monatliche Belastung des Kontos genau zu bedenken.

Schulden durch Handygebühren zählen zu den häufigsten Auslösern der Ver- und Überschuldung. Die Versuchung, sich zu verschulden, ist bei Gegenständen, die für Jugendliche Wert- und Statussymbole verkörpern, besonders groß. Das Handy steht dafür exemplarisch. So ist das Smartphone mit den meist hohen Vertragskosten für viele Jugendliche inzwischen zum Alltagsgegenstand geworden. Selten wird bedacht, dass diese Verträge Laufzeiten von mindestens 24 Monaten haben und alle Gebühren, wie Fremdnetzkosten, die nicht durch den Vertrag abgedeckt werden, hoch sind. Laden Jugendliche dann noch teure Apps herunter, wachsen die monatlichen Handykosten immer weiter und der Überblick geht schnell verloren.

Kann der Jugendliche für die Kosten seines Handyvertrags nicht mehr aufkommen, so wird seine SIM-Karte vom Mobilfunkanbieter gesperrt. Viele junge Erwachsene schließen darauf einen neuen Vertrag bei einem andern Anbieter ab, mit den gleichen Folgen und einer ständig wachsenden Überschuldungssumme.

Auch die häufige Zahlung mit der EC-Karte trägt dazu bei, den Überblick über das tatsächliche Guthaben auf dem Konto schnell zu verlieren und in den Dispo-Kredit zu geraten. Somit haben die Jugendlichen kein Gefühl für ihre vorhandenen Finanzen. Daher wird empfohlen lieber bar, anstatt mit Karte zu zahlen.

Frühzeitig aktiv werden - die Scham überwinden - Hilfe suchen!

Wie viel Geld steht mir jeden Monat zur Verfügung? Wie hoch ist die Miete? Wie viel brauche ich für meinen täglichen Bedarf? Was kostet mich mein Handy jeden Monat? Diese Fragen sollte man sich regelmäßig stellen.

Um den Überblick über die laufenden Kosten nicht zu verlieren, ist die Aufstellung eines Haushaltsplans ideal. Auf der einen Seite die Einnahmen und auf der anderen Seite die Ausgaben. So wird schnell ersichtlich, ob etwas über bleibt oder ob man an einigen Stellen doch sparen sollte. Denn wenn die Jugendlichen von Zuhause ausgezogen sind, springen die Eltern seltener bis gar nicht mehr ein, wenn das Geld Ende des Monats knapp wird.

Des Weiteren wird empfohlen, jegliche Post zu öffnen. Auch wenn unangenehme Inhalte, wie Rechnungen oder Mahnungen enthalten sind, muss jeder Brief beachtet werden, sodass eine Ansammlung von Briefen und somit Schulden nicht auftritt oder dem frühzeitig entgegengewirkt werden kann.
Ist man allein mit der Situation überfordert, muss man über seinen Schatten springen. Über finanzielle Probleme zu reden, zählt leider zu den Tabu-Themen in der Gesellschaft. Doch nur wer offen über seine Probleme redet und sich an eine entsprechende Stelle, wie die Schuldnerberatung, wendet, kann aktiv seinen Schuldenberg mit professioneller Hilfe senken. Hier werden dem Schuldner Perspektiven aufgezeigt, für die es sich zu kämpfen lohnt.

Marginalspalte

Weiterführende Informationen

© Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz