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Inanspruchnahme einer Schuldnerberatungsstelle

Wer fremde Hilfe sucht, sollte genau prüfen, wem er sich anvertraut. Es gibt auch unseriöse Beratungsangebote. Um keinen weiteren Schiffbruch zu erleiden, wird empfohlen, mit einer der Schuldnerberatungsstellen der Kommunen oder der Wohlfahrtsverbände im Freistaat Kontakt aufzunehmen, denn diese bieten die Beratung kostenlos an.

Die Sächsischen Kommunen sind nach dem Sozialrecht aufgefordert, Schuldnerberatung im Bedarfsfall zur Verfügung zu stellen und damit Angebote zur Vermeidung von Überschuldung und zur Behebung von Überschuldung vorzuhalten.

Eine Kommune kann entweder selbst entsprechende Beratung anbieten oder sie gewährleistet die Versorgung über die Beratungsstellen freier Träger, die in der Regel den Spitzenverbänden der freien Wohlfahrtspflege im Freistaat Sachsen angeschlossen sind, wie Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Diakonie, Parität, Deutsches Rotes Kreuz, oder von der Verbraucherzentrale Sachsen e.V. betrieben werden.

Die Schuldnerberatungsstellen informieren über den weiteren Werdegang, wenn ein Entschuldungsverfahren unausweichlich und die überschuldete Person bereit ist, in ein Verbraucherinsolvenzverfahren einzutreten. Ziel eines Verbraucherinsolvenzverfahrens ist nach Ablauf der Restschuldbefreiungsphase - auch bekannt als Wohlverhaltensphase - die völlige Entschuldung des Hilfesuchenden. Die Schuldnerberatungsstellen empfehlen dann, eine anerkannte Verbraucherinsolvenzberatungsstelle bei einem freien Träger oder einen Rechtsanwalt aufzusuchen. Selbstverständlich kann eine anerkannte Verbraucherinsolvenzberatungsstelle auch direkt aufgesucht werden, ohne erst in einer Schuldnerberatungsstelle vorstellig zu werden.

In den Schuldnerberatungsstellen erhalten Personen und Familien umfassende Hilfe und Unterstützung bei der Lösung sowohl finanzieller als auch persönlicher Probleme im Zusammenhang mit Ver- und Überschuldung. Beraten werden kann grundsätzlich jeder hilfebedürftige Ratsuchende.

Die Beratungsstellen verfolgen einen ganzheitlichen Beratungsansatz. Das bedeutet, die Hilfestellung ist nicht nur auf die Behebung der bestehenden finanziellen Probleme beschränkt, sondern es erfolgt je nach Bedarf ergänzend eine rechtliche oder lebenspraktische Beratung oder sozialpädagogische Hilfestellung. Hierfür wird gegebenenfalls an andere Beratungsstellen verwiesen. Jede Beratung hat einen präventiven Kern: Denn sie versucht, weiteren Krisensituationen vorzubeugen. Erfolg oder Misserfolg einer jeden Beratung hängen entscheidend davon ab,  inwieweit der Ratsuchende wirklich bereit ist, an der Verbesserung seiner Situation mitzuarbeiten.

Die ersten Schritte in der Schuldnerberatung

Zuerst erstellen der Hilfesuchende und der Berater einen sogenannten IST-Plan, der alle Ausgaben von Miete, Strom und Wasserversorgung über Lebensmittel und Kleidung bis hin zu allen Zahlungsverpflichtungen aus Kreditverträgen, Telefon und zum Beispiel Unterhaltsleistungen beinhaltet. Stellt sich heraus, dass bereits Primärschulden bestehen und die Wohnungskündigung oder die Strom- und Wasserabschaltung drohen, muss bei allem, was die existenziellen Lebensgrundlagen betrifft, sofort gehandelt werden. Das heißt, mit dem Vermieter, Strom- und Wasserversorger wird beispielsweise über Ratenzahlungen verhandelt, besteht ein Anspruch auf Sozialhilfeleistungen, werden entsprechende Anträge gestellt.

Auf der Basis des erstellten IST-Planes und den zur Verfügung stehenden Einkünften erarbeiten Schuldner und Berater gemeinsam einen SOLL-Plan. Dieser legt fest, in welcher Höhe welche Ausgaben finanziert werden können und müssen und wem der Schuldner welche Beträge schuldet. Im Verlauf dieses Prozesses erkennen die Hilfesuchenden oft schon, wofür sie früher Geld ausgegeben haben und was sie sich eigentlich gar nicht hätten leisten können. Falls erforderlich vermitteln Berater in den Gesprächen Informationen beispielsweise zum bargeldlosen Zahlungsverkehr, Girokontokosten, Daueraufträgen und Einzugsermächtigungen.

Der weitere Verlauf der Schuldnerberatung

Auf der Grundlage des IST-SOLL-Planes und der Gläubiger-Übersicht mit ihren Forderungen erfolgt nun die Überprüfung der Gläubigerforderungen. Sofern ihre Forderungen berechtigt sind und der Hilfesuchende noch über finanzielle Mittel verfügt, nimmt der Berater die Verhandlungen mit den Gläubigern auf mit dem Ziel, eine realistische Schuldentilgung durch Stundung, Ratenzahlungen, Ratenreduzierungen oder Vergleiche zu erreichen. Am Ende dieses oft langwierigen Prozesses steht die Erstellung eines Entschuldungsplanes.

Spätestens an dieser Stelle beginnt die Beratung durch eine Verbraucherinsolvenzberatungsstelle. Voraussetzung hierfür ist, der Ratsuchende ist überschuldet und willigt selbst in die Durchführung eines außergerichtlichen Einigungsversuches auf Basis des gesetzlich möglichen Verbraucherinsolvenzverfahrens ein. Falls der Schuldnerberater dieses Verfahren selbst nicht begleichen kann, verweist er den Hilfesuchenden an eine der Verbraucherinsolvenzberatungsstellen in seiner Nähe.

Ratsuchende erhalten von den Schuldnerberatungsstellen bei Bedarf auch sozialrechtliche Beratung. Das heißt, sie erfahren, ob sie zum Beispiel Anspruch haben auf Wohngeld, Sozialhilfe, Kinder-, Eltern-, Landeserziehungsgeld oder der Möglichkeit zur Befreiung von der Rundfunkgebühr. Ferner kann die rechtliche Hilfestellung auch informieren über das Mahn- und Vollstreckungsverfahren, gesetzliche Schutzvorschriften wie Pfändungsfreigrenzen und Räumungsschutz, aber auch über Pflichten des Ratsuchenden wie Unterhaltszahlungen oder Zahlung von Geldstrafen. Sofern rechtlich komplizierte Situationen vorliegen, vermitteln die Beratungsstellen die Hilfesuchenden zu einem Anwalt, mit dem sie zusammenarbeiten.

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