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Neuartige Lebensmittel (Novel Food)

Neuartige Lebensmittel und neuartige Lebensmittelzutaten sind Lebensmittel(zutaten), die vor dem 17. Mai 1997 in der Gemeinschaft noch nicht in nennenswertem Umfang für den menschlichen Verzehr verwendet wurden und einer der nachstehenden Gruppen von Erzeugnissen angehören:

  • Lebensmittel(zutaten) mit neuer oder gezielt modifizierter primärer Molekularstruktur
  • Lebensmittel(zutaten), die aus Mikroorganismen, Pilzen oder Algen bestehen oder aus ihnen isoliert worden sind
  • Lebensmittel(zutaten), die aus Pflanzen bestehen oder aus Pflanzen/Tieren isoliert worden sind
  • Lebensmittel(zutaten), bei deren Herstellung ein nicht übliches Verfahren angewandt worden ist

Derartige Lebensmittel unterliegen der Verordnung (EG) Nr. 258/97 (Novel Food Verordnung). Sie dürfen erst nach einem Zulassungsverfahren (oder einem vereinfachten Notifizierungsverfahren) in den Verkehr gebracht oder bei der Herstellung von Lebensmitteln verwendet werden.
Wichtigste Voraussetzung für die Zulassung ist die gesundheitliche Unbedenklichkeit des Erzeugnisses. Die genannte Verordnung enthält außerdem Regelungen zum Täuschungsschutz und Kennzeichnungsvorschriften.

Häufig wird das sehr lange Zulassungsverfahren kritisiert. Die Zeitdauer von der Antragstellung bis zur Entscheidung über die Zulassung beziehungsweise Nichtzulassung beträgt manchmal mehrere Jahre.

Als neuartige Lebensmittelzutaten wurden zum Beispiel Phytosterole und Phytosterolester zugelassen, die seither in diversen Lebensmitteln - unter anderem Milchprodukte, Streichfette, Backwaren - zum Einsatz kommen und für Verbraucher mit einem erhöhten Blutcholesterolspiegel angeboten werden. Die pflanzlichen Sterole hemmen die Aufnahme von Cholesterol und tragen so zu einer Blutcholesterolsenkung bei.

Zu den neuartigen Lebensmitteln zählen auch Noni-Saft und Noni-Pürree aus der Frucht der Spezies Morinda citrifolia sowie Arganöl, ein Speiseöl aus der Frucht des Arganbaumes, der in Nordafrika heimisch ist.

Als Produkt mit neuartiger Molekularstruktur wurde »Salatrims« zugelassen. Dabei handelt es sich um einen Fettersatzstoff, der zur Herstellung kalorienreduzierter Backwaren und Süßwaren verwendet werden kann.

Auch die Stevia-Pflanze zählt zu den neuartigen Lebensmitteln. Trotz mehrmaliger Antragstellung wurden Teile der Stevia-Pflanze bisher nicht zugelassen. Die Blätter dieser in Südamerika heimischen Pflanze enthalten sehr süß schmeckende Glykoside (zum Beispiel Steviosid) und werden in den Herkunftsländern zum Beispiel zum Süßen von Tee verwendet. Dagegen sind Steviolglykoside als natürliches Extrakt aus den Blättern der Stevia-Pflanze seit November 2011 in der EU als Süßstoff mit einem Mindestgehalt von 95 Prozent zugelassen.