1. Navigation
  2. Inhalt
  3. Herausgeber
Inhalt

Sport- und Fitnessverträge

Ordentliche Kündigung

Ein Fitnessvertrag kann während der Grundlaufzeit nicht einfach so gekündigt werden. Eine ordentliche Kündigung kommt praktisch nur in Betracht, wenn die Grundlaufzeit, die Verlängerungszeit oder die Kündigungsfrist unwirksam sind oder wenn der Vertrag auf unbestimmte Zeit geschlossen wurde.

Kündigungsfrist

Wird in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen eine Kündigung per Einschreiben verlangt oder werden die gesetzlichen Kündigungsfristen nicht beachtet, ist die Klausel ungültig. Je nach rechtlicher Einordnung des Vertrages müssen Kunden eine Frist von 14 Tagen bis zu drei Monaten beachten. Die Gerichte halten eine Kündigungsfrist von einem Monat für ausreichend. Man sollte genau darauf achten, wie lange die Kündigungsfrist ist, denn oftmals verlängert sich der Vertrag bei Nichteinhaltung dieser Frist um ein weiteres Jahr.

Kündigung aus wichtigem Grund

Außerdem können Verbraucher immer dann kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Dieses Recht kann durch den Vertrag nicht wirksam ausgeschlossen werden. Wann ein solcher Kündigungsgrund vorliegt, beurteilen die Gerichte unterschiedlich. Beim Umzug in einen anderen Ort oder Stadtteil kommt man sofort aus dem Vertrag heraus, wenn das Fitnessstudio nur noch mit großem Aufwand erreicht werden kann (OLG Frankfurt, Urteil vom 05.12.1994, Aktenzeichen: 6 U 164/93). Etwas weitere oder schwierigere Anfahrtswege muss der Kunde aber in Kauf nehmen. Wird eine Kündigung nur bei »Umzug von mindestens 50 Kilometer Entfernung« zugelassen, kann man die Klausel ignorieren (LG Düsseldorf, Urteil vom 07.11.1990, Aktenzeichen: 12 O 190/90).

Erkrankungen

Auch eine ernsthafte und dauernde Erkrankung berechtigt zur außerordentlichen Kündigung (zum Beispiel OLG Frankfurt, Urteil vom 05.12.1994, Aktenzeichen 6 U 164/93). Das Studio darf dann aber ein ärztliches (kein amtsärztliches!) Attest als Nachweis verlangen. Waren die Beschwerden allerdings schon von Anfang an bekannt, liegt kein wichtiger Grund vor. Ausnahme: Der Gesundheitszustand hat sich wesentlich verschlimmert. Dann muss das Studio die Kündigung akzeptieren, auch wenn es bei Vertragsschluss über das Leiden informiert war.

Schwangerschaft

Wird eine Frau nach Vertragsschluss schwanger, darf sie einigen Gerichtsentscheidungen zufolge ebenfalls aus wichtigem Grund kündigen (OLG München, Urteil vom 30.03.1995, Aktenzeichen 29 U 4222/94). Nach anderen Urteilen ruht der Vertrag zumindest beitragsfrei für die Dauer der Schwangerschaft und wird entsprechend verlängert.

Möchte der Kunde kündigen, weil der Studiobetreiber zum Beispiel die Trainingszeiten verkürzt oder andere Vertragspflichten verletzt hat, muss er ihm erst eine angemessene Frist zur Abhilfe setzen. Auch wenn bei einer außerordentlichen Kündigung keine Frist eingehalten werden muss, sollten Verbraucher keine Zeit verlieren. Sobald man von den veränderten Umständen erfährt, empfiehlt es sich, innerhalb von zwei Wochen zu kündigen. Entscheidend ist das Eingangsdatum beim Studio. Schicken Sie die Kündigung aus Beweisgründen am besten per Einschreiben mit Rückschein. Wer sich das Porto sparen will, kann sich auf dem Kündigungsschreiben den Empfang auch direkt vom Studio bestätigen lassen.

Kein kompletter Ausschluss der Haftung

Verletzt sich ein Kunde beim Training oder wird ihm währenddessen die Kleidung gestohlen, kann er normalerweise vom Studio Schadenersatz verlangen. Dem beugen viele Betreiber vor, indem sie ihre Haftung ausschließen oder beschränken. Allerdings sind die Studiobesitzer damit nicht automatisch aus dem Schneider. Unwirksam ist zum Beispiel folgende Klausel: »Das Sportstudio haftet (bei Schäden des Kunden) nur für Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit im Rahmen der abgeschlossenen Haftpflichtversicherung« (BGH Urteil vom 24.09.1985, Aktenzeichen VI ZR 4/84)

Gerade bei der Verletzung wesentlicher Vertragspflichten muss das Fitness-Center auch für leicht fahrlässiges Verhalten einstehen. Werden etwa die Trainingsgeräte nicht richtig gewartet und verletzt sich deshalb jemand, haftet das Studio auf jeden Fall. Für den Verlust gestohlener Kleidung kann ein Studiobesitzer dagegen seine Haftung auf Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit beschränken (zum Beispiel OLG Hamm, Urteil vom 10.10.1991, Aktenzeichen 17 U 2/91).

Kein Training, trotzdem Bezahlung

Viele Studios wollen ihre Kunden laut Kleingedrucktem auch zur Kasse bitten, wenn diese aufgrund längerer Krankheit nicht trainieren können. Der Bundesgerichtshof hat jedoch solche Klauseln für ungültig erklärt (Urteile vom 23.10.1996, Aktenzeichen XII ZR 55/95 und XII Aktenzeichen ZR 174/95). Der volle Beitrag wird auch dann nicht fällig, wenn sich der Kunde gleich nach Vertragsschluss verletzt. Allerdings müssen Verbraucher sofort das Fitness-Studio über die Verhinderung informieren und auf Verlangen ein ärztliches Attest vorlegen. Wer im Urlaub ist und deshalb am Training gehindert ist, für den gelten die Urteile nicht.

Marginalspalte

© Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz