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Katalogsprache

Wird im Reisekatalog ein naturbelassener Strand beworben, so ist dies ein Hinweis darauf, dass der Strand ungepflegt ist. Häufig befindet er sich auch im Abwasserbereich. Reiseveranstalter bedienen sich häufig einer recht blumigen Sprache, um ihre Objekte zu bewerben. Da wird von verkehrsgünstiger Lage gesprochen und Straßenlärm rund um die Uhr ist gemeint. Eine familiäre Atmosphäre lässt hingegen auf ein eher abgewohntes Haus ohne Komfort schließen.

Wer sich auf einen beheizbaren Swimmingpool freut, wird vor Ort unter Umständen feststellen müssen, dass dieser Swimmingpool zwar beheizbar, jedoch nicht beheizt ist. Freut man sich darüber, dass im Prospekt das gewählte Hotel ausdrücklich als neu eröffnetes Hotel beschrieben wird, muss man damit rechnen, dass Außenanlagen, Gartenanlagen etc. noch nicht fertig gestellt sind.

Diejenigen, die im Urlaub nur noch ihre Ruhe wollen, sind sicherlich gut bedient, wenn der Prospekt von einer Idylle in ruhiger Lage schwärmt. Nicht jedoch diejenigen, die etwas erleben wollen. Idylle in ruhiger Lage heißt nichts anderes, als dass das Hotel weit ab vom Schuss ist. Ein Hinweis darauf, dass die »Gegend touristisch gut erschlossen« ist, deutet darauf, dass vorhandener Erlebnishunger auch ausreichend gestillt werden kann. Wer aus seinem Zimmer den Meerblick genießen will, darf kein Zimmer zur Meerseite buchen, denn nur Meerblick verspricht auch wirklich einen freien Blick aufs Meer.

Zwar wird das, was im Reisekatalog beschrieben wird, Vertragsbestandteil, so dass man bei Abweichungen Minderungsansprüche hat. Das heißt allerdings nicht, dass die kleinen Begriffsmogeleien nicht erlaubt sind, soweit damit der rechtliche Grundsatz von Prospektklarheit und Wahrheit nicht verletzt wird.