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Fernbusreisen

Passagieren von Fernbussen stehen ebenfalls Kundenrechte zu. Seit dem 1. März 2013 findet die EU-Verordnung 181/2011 Anwendung. In dieser sind bei verspäteten oder ausgefallenen Fahrten bei Linienverkehrsdiensten mit einer planmäßigen Wegstrecke von 250 km oder mehr, bei denen der Abfahrts- und/oder Ankunftsort im Hoheitsgebiet eines EU-Mitgliedstaates liegt, bestimmte Fahrgastrechte vorgesehen. Für eine verspätete Ankunft, etwa durch Stau, trifft die Verordnung keine Regelungen.

Rücktrittsrecht

Auch bei Beförderungsverträgen mit den Fernbusunternehmen steht dem Kunden ein Rücktrittsrecht zu. Umgangssprachlich wird es auf den Internetseiten der Fernbusunternehmen meist als Stornierung bezeichnet.

Es empfiehlt sich auf der Internetseite des jeweiligen Anbieters nach Möglichkeiten einer Stornierung zu erkundigen und ob Kosten und gegebenenfalls in welcher Höhe diese erhoben werden. Zudem findet man dort ebenfalls den Zeitraum, in welchem die Fahrt vor Abfahrt storniert werden kann. Außerdem werden Bearbeitungsgebühren erhoben. Diese variieren von Fernbusunternehmen zu Fernbusunternehmen und können zwischen 3 und 15 Euro betragen.

Die meisten Fernbusunternehmen bieten aber im Falle einer Stornierung auch die Alternative eines Gutscheins in Höhe des Fahrpreises an. Einige der Unternehmen tun dies kostenlos, andere wiederum verlangen Gebühren, etwa von 3 Euro je Ticket.

Umbuchung

Eine Umbuchung der Abfahrtszeit oder des Reisedatums wird von den Anbietern meist ohne weitere Kosten vorgenommen. Nachgezahlt werden muss dann lediglich in der Höhe, in der das neue Ticket den Preis des ursprünglichen Fahrscheins übersteigt. Vereinzelt sind Umbuchungen durch Stornierung gegen Gutschein und Einlösen des Gutscheins für eine Neubuchung gegen Rückzahlung des Minderbetrages beziehungsweise Zahlung des Mehrbetrages für das neue Ticket möglich.

Vorsicht ist hinsichtlich des Zeitraums geboten, in dem eine Umbuchung stattfinden kann. Das ist von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich und liegt bei 15 Minuten bis zu 3 Tagen vor der planmäßigen Abfahrt.

Namensänderung

Eine Übertragbarkeit auf eine andere Person ist meist ohne zusätzliche Kosten möglich, muss aber vor der planmäßigen Abfahrt vorgenommen werden. Der Zeitraum, in dem die Namensänderung vorgenommen werden kann liegt bei bis zu 3 Tagen vor Reiseantritt.

Für Aktionsangebote und Fahrten, bei denen der Ziel- oder Abfahrtsort außerhalb Deutschlands liegt, gelten hinsichtlich der Stornierung, Umbuchung und Namensänderungen meist gesonderte Bedingungen. Zumeist ist in solchen Fällen zwar eine Stornierung möglich, aber nicht gegen Erstattung des Ticketpreises, sondern nur gegen Ausstellung eine Gutscheins. Da können dann neben eventuellen Zuzahlungen auf den neuen Fahrschein auch Bearbeitungsgebühren, etwa von 15 Euro anfallen.

Zudem sind Namensänderungen, Umbuchungen und Stornierungen regelmäßig nur einmalig möglich.

Verzögerung der Abfahrt, Überbuchung, Annullierung

Muss der Beförderer davon ausgehen, dass sich die Abfahrt von einem Busbahnhof um mehr als 120 Minuten verzögert, die Busfahrt überbucht ist oder gar annulliert wird muss er den Fahrgästen unverzüglich folgende Möglichkeiten zur Auswahl anbieten:

  • Fortsetzung der Fahrt zum frühestmöglichen Zeitpunkt beziehungsweise Weiterreise mit geänderter Streckenführung zum festgelegten Zielort ohne Aufpreis und unter vergleichbaren Bedingungen wie im Beförderungsvertrag angegeben

oder

  • Erstattung des Fahrpreises und gegebenenfalls zum frühestmöglichen Zeitpunkt kostenlose Rückfahrt zum Abfahrtsort.

Bietet das Fernbusunternehmen diese Möglichkeiten nicht an, hat der Fahrgast zusätzlich zu der Erstattung des Fahrpreises einen Anspruch auf Entschädigung in Höhe von 50 Prozent des Fahrpreises, der innerhalb eines Monats nach Einreichung des Antrags zu zahlen ist.

Verzögert sich die Abfahrt des Linienverkehrsdienstes von einer Bushaltestelle tatsächlich um mehr als 120 Minuten oder wird die Fahrt annulliert, hat der Fahrgast Anspruch auf:

  • Fortsetzung der Fahrt oder Weiterreise mit geänderter Streckenführung

oder

  • Erstattung des Fahrpreises durch das Fernbusunternehmen.

Bei Annullierung einer Fahrt sowie bei einer Verzögerung der Abfahrt von einem Busbahnhof von mehr als 90 Minuten bei Fahrten mit einer planmäßigen Dauer von über drei Stunden hat das Fernbusunternehmen dem Fahrgast Folgendes anzubieten:

  • Imbisse, Mahlzeiten oder Erfrischungen in angemessenem Verhältnis zur Wartezeit oder Verspätung, sofern sie im Bus oder im Busbahnhof verfügbar oder in zumutbarer Weise zu beschaffen sind

oder

  • ein Hotelzimmer oder eine andere Unterkunftsmöglichkeit sowie Beistand bei der Organisation der Beförderung zwischen Busbahnhof und dem Ort der Unterbringung, sofern der Aufenthalt von einer Nacht oder mehr erforderlich ist. Der Beförderer kann die Gesamtkosten - ohne Transferkosten - je Fahrgast auf 80 Euro/Nacht und höchstens zwei Nächte beschränken.

Der Unterkunftsanspruch besteht jedoch nicht, wenn der Beförderer nachweist, dass die Annullierung oder Verspätung durch widrige Wetterbedingungen oder schwere Naturkatastrophen, die den sicheren Betrieb des Busverkehrsdienstes beeinträchtigen, verursacht wurde.

Betriebsstörung

Wird der Kraftomnibus während der Fahrt betriebsunfähig, hat der Beförderer folgende Möglichkeiten anzubieten:

  • die Fortsetzung der Fahrt mit einem anderen Fahrzeug von dem Ort, an dem sich das betriebsunfähige Fahrzeug befindet

oder

  • die Beförderung von dem Ort, an dem sich das betriebsunfähige Fahrzeug befindet, zu einem geeigneten Wartepunkt oder Busbahnhof, von dem aus die Fortsetzung der Reise möglich ist.

Schlichtung im Busverkehr

Als Schlichtungsstelle zur Beilegung von Streitigkeiten aus der Beförderung im Kraftomnibusverkehr hat die Bundesregierung die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personennahverkehr (söp) anerkannt. Diese hat ihren Sitz in der Fasanenstraße 81 in 10623 Berlin. 

Fahrgäste können sich nun bei Streitigkeiten wegen der Verletzung ihrer bestehenden Rechte, etwa bei Annullierung oder Verspätung der Abfahrt, sowie Streitigkeiten wegen Verlust, Beschädigung oder verspäteter Ablieferung von Gepäck an die söp wenden und dort ein außergerichtliches Schlichtungsverfahren anstreben. Voraussetzung für eine Schlichtung ist, dass sich der Fahrgast mit seinen Ansprüchen bereits ohne Erfolg an das Verkehrsunternehmen gewandt hat. Die söp prüft dann die Beschwerden und erarbeitet einen Schlichtungsvorschlag für eine einvernehmliche Streitbeilegung. Für den Fahrgast ist das Schlichtungsverfahren kostenfrei. Er trägt lediglich seine eigenen Kosten, zum Beispiel für Porto und Kopien oder gegebenenfalls Anwaltskosten.